Wir werden viel Regen bekommen, war unsere große Befürchtung vor dem Ausflug, aber dann kam alles ganz anders: Wir hatten ideales Ausflugswetter, trocken und nicht zu warm, für unseren Besuch in Pirmasens!
Gleich zu Beginn konnten wir die Gastfreundschaft der Pirmasenser erleben, denn unser Stadtführer kam extra eine Stunde früher, um uns möglichst nah zu unserer durch eine Baustelle behinderten 1. Haltestelle in Pirmasens zu bringen, wo wir in der besonderen Atmosphäre einer ehemaligen Schuhfabrik und dem jetzigen „Mitmachmuseum“ Dynamikum mit einem Sektfrühstück den Tag begannen.
Das Wetter lud ein, einen Spaziergang zu den „Toskanischen Duftgärten“ im Strecktalpark zu unternehmen. Dort fand ein kleiner Morgenimpuls statt, der unsere Sinne für die vielen Eindrücke an diesem Tag schärfen sollte.
Sehr bald entdeckten wir, dass wir froh sein konnten, dass die anschließende Stadtführung mit dem Bus stattfand, denn in Pirmasens, das wie Rom auf 7 Hügeln erbaut wurde, ist man immer bergauf und bergab unterwegs; in der Stadt gibt es mindestens 130 Treppen!
An wichtigen Stationen erfuhren wir von der lebendigen Geschichte Pirmasens´, sehr interessant vermittelt durch unseren Stadtführer:
- An der Pirminiuskirche, dass ein Wanderbischof aus Irland, der Hl. Pirminius, Namensgeber für die Stadt war.
- Am Exerzierplatz, dass der Gründer der Stadt, Ludwig IX., Pirmasens zu einer (nicht in den Krieg ziehenden!) Soldatenstadt ausbaute.
- In der Sommerwaldsiedlung, dass Pirmasens schon immer eine ärmere Gegend war, dass die Stadt in den 1930er Jahren ihren Bewohnern Grundstücke für kleine Häuser mit größerem Grundstück dahinter zum Eigenanbau für 500 Mark verkaufte. Fließend Wasser und Strom waren nicht dabei. Der Andrang war so groß, dass das Los entscheiden musste.
- Bei einer der 6 restlichen von den ehemals 200 Schuhfabriken, wie Pirmasens durch die Schuhe, die anfangs „Schlappe“ waren, gefertigt aus den Soldatenmänteln, zu einer Blüte kam (es gab zeitenweise eine größere Millionärsdichte als in Hamburg!) und wie sich der Wegzug der Schuhindustrie bis heute auswirkt.
- Am ehemaligen Gelände der US-Soldaten, dass Pirmasens nach dem 2. Weltkrieg zu 90% zerstört war, dass US Soldaten dann lange das Stadtbild prägten und wie Pirmasens heute gerade auf diesem Areal neue Wege versucht.
- An einem Kreisel mit Fußball, dass Adi Dassler und Käthe Matz, die Gründer der Firma Adidas, mit Pirmasens eng verbunden waren: Sie haben sich dort kennengelernt und geheiratet.
Neugierig waren wir, was die überall in der Stadt herumstehenden Stiere zu bedeuten hätten. Eigentlich nichts, meinte unser Stadtführer, eine Kunststudentin habe den rohweißen Stier entworfen und jeder könne einen kaufen und nach seinen Vorstellungen bemalen. Mittlerweile befinden sich 55 in der ganzen Stadt und verschönern das Stadtbild.
An dem beeindruckenden Schlossbrunnen - ohne Schloss, das es schon seit mehreren Jahrhunderten nicht mehr gibt – endete unsere Führung. Zusammenfassend können wir sagen: Pirmasens ist zwar nicht die schönste und schon gar nicht die reichste Stadt Deutschlands, aber es kann mit einer lebendigen Geschichte aufwarten, die sehr interessant für uns war!
Nach dem Mittagessen direkt am Schlossbrunnen, wo wir das Lokal und später die Fußgängerzone sogar notfalls mit dem Aufzug erreichen konnten, machten sich kleine Grüppchen auf, die Stadt noch einmal alleine zu erkundigen.
Am Nachmittag besuchten wir das Deutsche Schuhmuseum in Hauenstein, wo wir gleich am Eingang vom größten Schuh der Welt begrüßt wurden.
Auf drei Stockwerken zeigt das Museum Schuhe von 1400 bis heute, hauptsächlich aus Deutschland, aber auch aus fernöstlichen Ländern wie China. Wir entdeckten manche Schuhe, die wir früher selbst getragen oder für unsere Kinder gekauft hatten, alte Schuhwerbung, die uns noch bekannt war, aber auch Promi - Schuhe von bekannten Politikern und Schauspielern und high heels, bei denen wir uns nur wundern konnten, wie man damit laufen kann. Die Führerin ließ auch die eine oder andere alte Maschine laufen, um uns einen Eindruck zu vermitteln, wie Schuhe früher hergestellt worden waren. Wir hätten nicht mit diesen Arbeiterinnen tauschen wollen, die Lautstärke war beachtlich!
Nach dem Museumsbesuch waren wir alle ziemlich müde, aber ein Spiel mit Bällen löste große Lachanfälle aus und machte uns schnell wieder munter.
Den Tag ließen wir im Anglerheim Neupotz mit leckeren Fischgerichten ausklingen.
Hat sich die Fahrt nach Pirmasens und Umgebung gelohnt? Ja, war die einhellige Meinung, wir hatten einen schönen Ausflug! Herzlichen Dank allen, die bei der Vorbereitung geholfen haben.