Sehr erfreut waren unsere Referentinnen Nicole Bachmann und Laura Theofill vom Abfallwirtschaftsbetrieb Landkreis Karlsruhe (AWB LK KA), dass sie über 30 Frauen zu dieser Veranstaltung über „Müll“ begrüßen konnten, denn Müll sei nicht unbedingt ein Thema, mit dem sich Leute gerne beschäftigen.
Doch Müll geht uns alle an. Die wenigsten von uns hatten eine Ahnung wieviel Abfall wir pro Jahr produzieren. Im Landkreis KA fallen im Jahr pro Person 458 kg Haushaltsmüll (14% des Gesamtmülls) an, auch wenn den Hauptanteil Bau und Abbruchabfälle (50%) und Abfälle aus Produktion und Gewerbe (36%) ausmachen.
Während man noch vor 100 Jahren nach dem Motto handelte „produzieren, später wegwerfen“, hat man in der Zwischenzeit erkannt, dass man Abfall nicht so sehr als Problem, sondern als Ressource sehen sollte.
Erstes Ziel bleibt natürlich, möglichst wenig Abfall zu erzeugen, weil dies unsere Umwelt schützt. Die zweitbeste Lösung ist, alles, was möglich ist, wiederzuwerten (Stichwort „Kreislaufwirtschaft“), aber, so betonte Frau Theofill, Rohstoffe und Wertstoffe können nur im Kreislauf bleiben, wenn wir unseren Müll richtig trennen. Zum richtigen Trennen gehört z.B. Joghurtbecher nicht ineinander zu stapeln, den Aludeckel vollständig und die Papier-Banderole außen zu entfernen (extra ausgespült werden brauchen Becher nicht, es reicht „löffelrein“); Pizzakartons und ähnliches nur dann in den Wertstoff zu geben, wenn sie nicht fettig sind und andere Verschmutzungen haben; Backpapier in den Restmüll zu geben wegen der Beschichtung, ebenso viele Kassenzettel; auch Käse- und Wurstverpackungen in die Einzelteile zu zerlegen, da die Schale und die Deckfolie aus unterschiedlichem Plastik bestehen; Zahnbürsten und andere Hygieneartikel gehören zum Restmüll.
Ein Vorurteil hält sich bei vielen Menschen hartnäckig: „Wozu zu Hause Müll trennen? Es wird eh alles wieder zusammengeworfen und zusammen verbrannt.“ Nein, betonten die beiden Referentinnen. In Deutschland wird nur Restmüll verbrannt. Und der könnte noch deutlich reduziert werden, auch wenn die Zahlen in BW schon besser als im Rest des Landes sind. Zurzeit fährt jeden Tag ein Zug mit 27 Wechselcontainern von Bruchsal nach Mannheim in die Verbrennungsanlage, das sind pro Jahr 39.000 Tonnen Restabfall!
In der Restmülltonne fanden sich bei einer Untersuchung im LK KA 2025 nur 32% Restabfall, der andere Abfall wäre als Biomüll (45%) oder Wertstoff (23%) wiederzuverwerten gewesen! Kann man auch Biomüll weiterverwerten? Ja. Er kann umgewandelt werden in Gas für unser Gasnetz, in Strom und Wärme zum Heizen, kann zum Düngemittel für die Landwirtschaft und zum Biokompost werden. Es stellte sich die Frage, was man alles in den Biomüllcontainer im Wertstoffhof werfen darf. Dort darf im Unterschied zur Biotonne zu Hause auch alles, was an Essensresten vom Tisch kommt (Gegartes und sogar Knochen), eingeworfen werden. Man sollte allerdings achtgeben, in was man den Biomüll verpackt; Zeitungspapier sind hier z.B. kein Problem, wohl aber die meisten Plastiktüten. Selbst kompostierbare Verpackungen sollten nicht verwendet werden, da sie viel länger zum Vergären brauchen als die anderen Stoffe. Auch Windeln gehören nur in die Restmülltonne!
Eine weitere Möglichkeit ist mehr zu recyclen (aus den Stoffen neue Produkte herstellen) und Einwegplastik stärker zu vermeiden. Einen wichtigen Dienst leisten hier die Wertstoffhöfe und die Glascontainer, deren Gläser, anders als viele Menschen glauben, auch auf dem LKW als Gläser nach Farben getrennt transportiert werden. Neu war für viele, dass man, wenn man eine Farbe nicht sicher einem Container zuordnen kann, das Glas immer in den grünen Container werfen soll. Trinkgläser und Bleiglas (z.B. Vasen und Aschenbecher) sowie „feuerfestes“ Glas (wie Auflaufformen) haben im Glascontainer allerdings nichts verloren. Sie gehören in den Restmüll. Ein besonderer Fall sind Honiggläser: Sie sollten auf jeden Fall sauber ausgespült werden, um Bienen nicht zu gefährden.
Gibt es auch Dinge, die man nicht in die Restmülltonne werfen darf? Sehr problematisch sind ausgediente kleine Elektrogeräte im Restmüll. Einerseits gehen wertvolle Rohstoffe für immer verloren und falsch entsorgte batteriehaltige Altgeräte und lose Lithium-Ionen-Batterien können gefährliche Brände in den Entsorgungsunternehmen auslösen und die Gesundheit der Müllwerker gefährden. Unproblematisch sind Tabletten im Restmüll (bis auf wenige Ausnahmen). Sie richten viel mehr Schaden an, wenn sie über die Toilette entsorgt werden.
Zum Abschluss stellte Frau Bachmann ein neues Projekt des AWB KA vor, einen kostenlosen Tausch- und Geschenkemarkt, direkt am Entsorgungszentrum in Bruchsal. Jede/r kann hier etwas „gut Erhaltenes“ bringen und/oder kostenlos etwas mitnehmen. (Näheres dazu unter awb-landkreis-karlsruhe.de/verschenken).
Es war ein interessanter Vortrag! Während die einen sich bestätigt fühlten, dass sie schon sehr vieles richtig machen, war anderen aufgegangen, dass sie noch manches verbessern können. Mit Zwiebelkuchen und neuem Wein ließen wir den schönen Nachmittag ausklingen.